Was fürchten wir beim Reden am meisten? … dass wir den Faden verlieren und aus dem Konzept kommen. Und wie klasse ist es doch für Zuhörer, wenn Rednerinnen frei reden. Wenn Webinare, Vorträge oder Kundenpräsentationen dir nur so flockig über die Lippen kommen. Doch wie sollst du dir das alles merken, bei der ganzen Aufregung?

Es gibt einfache Merktechniken, mit der du deine Stichworte in einen Gedächtnispalast packen kannst. Und mithilfe deines Gedächtnispalastes kannst du frei reden und behältst alle Fäden in der Hand bzw. im Kopf – ohne aus dem Konzept zu kommen. Deine Interessentinnen und Kunden werden staunen.

 

Merktechniken für Vorträge

 

Frei Reden durch Merktechniken und Gedächtnispaläste

 

Die Loci-Technik

Dieser Technik bedienten sich schon die alten Griechen. Unser Gehirn kann sich nämlich besonders gut an Orte, die mit Bildern verknüpft sind, erinnern. Was es dagegen nicht so gut kann: Sich viele Dinge auf einmal merken. Dabei geht in unserem Gehirn vieles durcheinander oder wir erinnern uns nur lückenhaft an Details.

Sicher kennst du das: Du bist in einer Kundenpräsentation und … hast einen Hänger. Dabei erinnerst du dich genau, wo in deinem Skript genau diese Stelle steht. Vielleicht hast du auch ein genaues Bild vor Augen.

Bei der Loci-Technik verbindest du ein Begriff mit einem Ort assoziativ mit inneren Bildern. Details – wie etwa deine Stichworte einer Präsentation – verankern sich so besser im Gedächtnis.

 

 

Deinen Gedächtnispalast bauen

Die Loci-Technik – oder auch Routen-Technik – besteht aus zwei Schritten.

Loci-TechnikZuerst stellst du dir einen vertrauten Ort oder Raum vor (z. B. bei dir zu Hause oder in deinem Büro). Oder du nimmst einen bekannten Weg. Das kann dein Weg in dein Office sein. Oder eine Strecke, die dir bekannt ist, weil du sie immer wieder zurücklegst (z. B. die Haltestellen auf einer Bahnfahrt). Hauptsache, du kannst dir die Route gut vorstellen, sie bietet markante Punkte und verändert sich nicht so schnell.

Egal, welche Strecke du benutzt, lege einzelne Punkte in einer bestimmten Reihenfolge fest. Du brauchst so viele Punkte auf deiner Route, wie viele Stichworte du hast bzw. wie umfangreich deine Rede ist.

Eine „Wohnzimmer-Route“ mit sieben Stichworten könnte etwa so aussehen: Fernseher – Heizung – Lampe – Bild – Sofa – Tisch – Hocker.

Beim zweiten Schritt „baust“ du dir aus deinen Stichwörtern innere Bilder oder kleine Geschichten und verknüpfst sie mit den Punkten auf deiner Route. Jeweils ein Stichwort bekommt einen Punkt. Zwischen jedem Punkt und dem zu merkenden Stichwort muss es keine sinnvolle Verbindung geben. Baue dir deine eigene Verknüpfung. Umso verrückter deine Bilder und Geschichten sind, umso besser wirst du dich daran erinnern.

Im „Wohnzimmer“-Beispiel beginnt die Route mit dem Fernseher. Angenommen, das erste Schlüsselwort deiner Präsentation wäre „Begrüßung“. Fällt dir eine gute Verknüpfung zwischen Fernseher und Begrüßung ein? (M)Eine Verknüpfung wäre beispielsweise: Fernseher an – Herzlich willkommen beim Musikantenstadl… (das Ganze noch in einer visuellen Version). Mach das mit allen Stichworten, die du brauchst. So baust du dir Punkt für Punkt deinen Gedächtnispalast.

 

 

Die Körper-Route

KörperrouteMeine Lieblings-Route habe ich immer dabei.

Es ist die Körper-Route.

Du kannst an dir auch noch mehr als nur sieben Punkte unterbringen.

Gehe einfach weiter ins Detail (z. B. statt nur Kopf – Gesicht, Haare, Nacken).

Beim Einprägen deiner Verknüpfungen ist es gut, wenn du dich an einzelnen Punkten anfasst und mit Berührungen deine Route abwanderst.

 

 

Frei Reden: Den Stichwortzettel im Kopf nutzen

Durch das geistige Abwandern deiner Route während des Redens kannst du dich dann an alle Stichworte anhand deiner bildlichen Verknüpfungen erinnern – sogar in der genauen Reihenfolge. Du siehst quasi Stichwort für Stichwort vor deinem geistigen Auge auf den jeweiligen Routen-Abschnitten und kannst freisprechen.

Übrigens: Dein Gedächtnispalast ist auch als Einkaufszettel, Produkt-Pitch, Insta-Story … – für alle möglichen Vorträge brauchbar.

 

 

Wird der Gedächtnispalast nicht zu voll?

Du kannst deine Routen immer wieder neu „beschreiben“. Sobald du eine Strecke nicht mehr brauchst und nicht wiederholst, werden die Bilder und Assoziationen mit den Inhalten nach und nach immer unschärfer – bis sie ganz verschwinden. Bei zwei Vorträgen an einem Tag würde ich auf jeden Fall zwei verschiedene Routen nehmen.

 

STARK mit WORTEN Tipps & News by Bianca

 

 

Trainings-Idee

Bevor du die Technik live bei Kunden-Präsentationen anwendest, mach noch eine kleine Übungseinheit.

Hier meine Trainings-Idee für dich:

Schreibe dir einen Einkaufszettel mit sieben Artikeln. Verbinde die Artikel mit den Punkten auf einer Route. Nimm beim ersten Mal am besten die Körper-Route. (Wenn ein Artikel „Wasser“ ist und der erste Punkt auf der Körper-Route „Füße“, könnte (m)eine Verbindung so aussehen: Ich stelle mir vor, wie ich mit hoch gekrempelten Hosen durchs Wasser gehe und dabei kalte Füße bekomme. Usw.)

Dann geh einkaufen und packe alle Artikel ein. Den Einkaufszettel kannst du ja zur Sicherheit mitnehmen. Wenn du dich an den einen oder anderen Artikel nicht erinnern kannst, dann prüfe, ob deine inneren Bilder stark genug waren. Verändere sie beim nächsten Mal – mache sie bunter, emotionaler oder verrückter.

Wenn es klappt, dann kannst du die Loci-Technik auch „in echt“ bei Reden und Präsentationen (oder in einer Prüfung) nutzen.

 

Viel Spaß in deinem Gedächtnispalast und staunende Kundschaft, die denkt: ‚Mensch kann die/der kann aber echt gut frei reden‘.

Bianca

 

 

Bilder: depositphotos.com und privat

 

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