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Störer sind der Feind vieler Redner und Vortragender. Doch ein geübter Redner sollte nicht nur mit Laptop oder Beamer umgehen können, sondern auch mit Störern. Sie sind immer mal wieder da. Dann souverän zu bleiben ist wichtig, jedoch oft nicht leicht. Da ist schon die eigene Aufregung und dann quatschen da dauernd zwei, dann klingelt ein Handy und der Klugscheißer aus der dritten Reihe hat auch dauernd etwas zu kamellen. Oh man! Hier bekommst du Tipps, wie du souverän mit Störungen während deiner Präsentation oder im Meeting umgehen kannst und auf was du dich einstellen solltest – und was nicht! 

 

Wie du souverän mit Störern während deiner Präsentation umgehst

 

Wie du souverän mit Störern umgehst

Was Störungen sind, wird von denen, die vorne stehen und den Zuhörern oft ganz unterschiedlich wahrgenommen. Als Redner sind wir da vorne in einer exponierten Stellung, sind mit geschärften Sinnen unterwegs und beziehen vielleicht deswegen vieles auf uns. Das Publikum jedoch bemerkt eine Störung erst lange nach uns. Störungen haben also ganz viel mit uns als Redner zu tun – besser mit dem, was wir in unseren Köpfen daraus machen.

 

 

Was Störungen mit deinem Mindset zu tun haben

Störungen sind das Worst Case in den Köpfen vieler Redner. Störungen werden größer gemacht, als dass diese tatsächlich vorkommen. Oft bekommt das Publikum überhaupt nichts davon mit. An wie viele echte Störungen erinnerst du dich aus Zuhörersicht?

Meist spielt uns als Redner die Angst vor den Störern übel mit. Die kann ich dir nicht nehmen, doch vielleicht schenkst du auch den „Braven“ ein paar Gedanken. Die gibt es nämlich auch und zwar zu Hauf.

Und wo ist eigentlich deine Souveränität? Ja, beim Gedanken an Störenfriede geht unser Selbstvertrauen manchmal flöten. Das sollte es jedoch nicht. Denke an die „Braven“.

Als Redner bist du der Boss. Du machst die Regeln und solltest dir das Zepter nicht aus der Hand nehmen lassen. Ich habe mir meine Grenzen innerlich abgesteckt – bis hierher und nicht weiter… wenn es z.B. persönlich oder unter der Gürtellinie wird. Jetzt rede ich aber dauernd vor Gruppen und so etwas kommt noch viel seltener als selten vor. Ehrlich! Deswegen schreibe ich hier auch nicht über diese Art von Störern, (die bekommen keine Bühne von mir!), sondern über die „normalen“ Störer, wie die Klugscheißer, Quatscher, Handytipper, Zuspätkommer usw.

Bevor ich zur Tat gegen diese Störenfriede schreite, gehe ich innerlich einen Schritt zurück und frage mich: Ist das eine echte Störung oder stört sie nur mich? Fast alles behindert meine Präsentation nicht. Nur mein Umgang damit bestimmt, wie relevant die Störung für alle wird. Habe ich schlecht geschlafen, den Anfang versemmelt oder bin allgemein etwas dünnhäutig, dann kann aus einer Mücke ein Elefant werden, wenn… STOP! Ist das eine echte Störung oder stört sie nur mich? Meist stört es nur mich.

Es gibt noch einen anderen wichtigen Mindset-Hebel. Auch wenn das jetzt komisch klingt: Störungen sind ok, weil sie dir als Redner eine Möglichkeit zur Interaktion mit deinem Publikum geben. Denn die wenigsten Menschen stören, um des Störens willen, sondern haben ein unbewusstes Bedürfnis oder Interesse. Das sollte dir als Redner klar sein, weil du so viel besser und souveräner ihnen umgehen – mit ihnen reden kannst.

Lass uns mal auf die verschiedenen „Bedürfnislagen“ schauen…

 

 

Typen von Störenfrieden und was sie brauchen

In meinen Trainings und Vorträgen – auch bei denen, wo ich im Publikum sitze, kann ich immer wieder diese Kategorien von Störern beobachten. Der Einfachheit halber stecke ich sie mal in Schubladen, das so der Umgang mit ihnen und ihren Bedürfnissen leichter wird. Im normalen Leben sind alle diese Typen aber sehr nett. Ich spreche da aus Erfahrung.

Anmerkung: Vielleicht erkennst du dich wieder. Doch: Niemand ist nur so ganz der eine Typ. Wir haben alle alle Anteile in uns, nur manchmal sind wir halt ein bisl mehr von allem und verhalten uns komisch – wir stören. Aber sonst sind sie ja ganz nett.

 

Die Rampensau

Sie können es schlecht ertragen, dass du dort vorne stehst – und nicht sie. Sie brauchen aber die Bühne und deswegen klugscheißern sie dir rein. Im bösen Fall bekommst du patzige Bemerkungen. Sachlich sind deren Einwürfe selten – meist kommen sie mit einer persönlichen Note daher. Dabei wollen sie nur Anerkennung. Nun ja, gib ihnen doch ab und zu ein bisschen Rampenlicht. Hole sie als Experten ins Boot. Die Rampensau braucht das und lässt dich dann oft in Ruhe. (Wenn es arg schlimm wird, dann solltest du ihnen unter vier Augen den Kopf waschen.)

 

Der Quatscher

Meist ist er zu zweit und sitzt nebeneinander. Das nervt als Redner, wenn zwei dauern Tuscheln. Gegenüber dir ist das natürlich respektlos, doch der Quatscher hat nun mal das Bedürfnis sich auszutauschen. Meist hat das Getuschel nichts mit dir zu tun – höchstens mit einem interessanten Aspekt deiner Präsentation. Weiter unten erfährst du, wie du hierauf reagieren kannst, falls du es nicht ignorieren kannst und willst, weil es alle stört.

 

Der Witzbold

Aus dem Witzbold platzt es nun mal manchmal heraus. Der hat halt Temperament. Der war schon in der Schule so. Den witzigen Zwischenrufer kannst du jedoch gern ignorieren. Meist verpufft deren Zwischenruf und er erntet verdrehte Augen (nur nicht von dir!). Du denkst dir deinen Teil und lässt den Witzbold Witzbold sein, sofern die Zwischenrufe in Maßen daherkommen.

 

Der Abwesende

Der ausschließlich körperlich Anwesende hat etwas Besseres zu tun – Mails checken, Facebook, Slack… Er braucht das Gefühl der Verbundenheit und offensichtlich hat er diese Verbundenheit nicht in deinem Vortrag gefunden. Sieh‘s mal so: Er stört lautlos, außer er hackt laut in die Tasten. Vielleicht ist das auch wirklich wichtig. Ich würde es ignorieren und eventuell später nachfragen.

Es kann aber auch sein, dass dem Abwesenden langweilig ist. Und das ist wiederrum dein Part. Hole ihn wieder zu dir und einer Präsentation – mit Action, Fragen, Wasser austeilen… Beschäftige ihn neu!

In meinen Präsentationen erlaube ich, das Handy lautlos zu nutzen. Es ist mir lieber, als wenn die Leute geistlich dauernd abdriften, weil der Mails-Checken-Impuls so stark ist. Sollen sie dem nachgehen, sonst werden sie nervös.

 

Der Nervöse

Das ist der, der mit dem Stift klackert, mit den Fingern trommelt oder sonst wie zappelt. Vom Nervösen geht Unruhe aus, die sich ausbreitet. Entweder muss dieser Mensch nach dir reden, dann lächle ihn an und beruhige ihn so. Oder, er ist wegen etwas anderem angespannt: Thema, Toilette, Hunger, Sonstiges, Mails… Wenn es lange keine Pause gab, dann sage doch, wann es soweit ist oder mache eine kurze Pause. Wenn du die Menschen kennst, vor denen du sprichst und weißt, dass es von Natur aus Nervöse gibt, kannst du deren Plätze vielleicht weiter hinten arrangieren. So hocken sie dir nicht direkt vor der Nase.

Übrigens: Erst wenn du dich als Redner irritieren lässt, wird auch dein Publikum abgelenkt. Das gilt auch beim nächsten Typ.

 

Der Unpünktliche

Ja das ist blöd, wenn die Menschen so nach und nach in deinen Vortrag platzen, jedoch… Das machen sie nicht wegen dir. Es gibt Alltag und dafür kannst du nichts und manchmal sogar noch nicht mal der Zuhörer. Ich toleriere Zuspätkommen, zeige diesen Menschen direkt ihren Platz, heiße sie willkommen und warte dann bis sie sitzen. Das ist für sie peinlich genug.

 

Andere Störenfriede sind…
  • Handy klingeln: Geht gar nicht! Wenn das bei dir oft vorkommt, dann bitte alle am Anfang ihre Handys lautlos zu stellen. Die Rampensau wird das vielleicht nicht machen. Dann bestelle beim Anruf laut und augenzwinkernd einen schönen Gruß an die Kollegen und schicke ihn vor die Tür. Telefoniert wird sowieso draußen. Das lernt man in der Kinderstube.
  • Reinkommer und Rausgeher, z.B. auf Messen oder offenen Veranstaltungen: Bereite dich gut darauf vor und nimm das vor allem nicht persönlich. Hier kannst du nichts machen. Ignorieren ist die Strategie der Wahl.
  • Schlechte Stimmung allgemein: Manchmal weiß man ja nicht wer vorher spricht, wie das Thema ankommt oder oder… Du brauchst auch keine Witze reißen, um die Stimmung wieder rumzureißen. Oft hilft es, das zu thematisieren. Ich mache dann gern ein Fenster auf und hole symbolisch frischen Wind herein. Manchmal hilft auch eine Pause um die Gehirne durch zu lüften.

 

…und hier kommt noch ein guter Störenfried…

 

Der Experte und Bedenkenträger

Sie kommen oft mit einem „Ja, aber…“ daher. Deren Einwürfe sind aber stets sachlich, weil sie Interesse haben, ihnen Informationen fehlen oder wirklich etwas in deiner Argumentation hinkt. Sie sind halt perfektionistisch. Auch das nervt, aber gib ihnen die fehlenden Infos, befriedige deren Interesse und packe am besten ein paar Studien oder Zahlen, Daten, Fakten aus. Außerdem kannst du den Experten auch mal für seine ergänzenden Hinweise loben. Anerkennung tut diesen Typen nämlich sehr gut.

 

 

All diese Typen gibt es. Du brauchst sie nicht zu lieben – nur ihre Beweggründe wertschätzen. Jeder dieser Menschen hat Bedürfnisse und die sind zunächst wertfrei, also weder schlecht noch gut. Erst die daraus folgenden Störungen sind blöd während einer Präsentation. Trenne deshalb emotional die Handlung des Störers vom Menschen selbst. …und du wirst sehen, im normalen Leben sind sie ganz nett.

 

 

 

Ignorieren vs. Reagieren? Strategien, um mit Störern umzugehen

Fragen, die sich bei jeder Störung stellen, sind fast immer: Ignoriere ich die Störer? Reagiere ich darauf? Und wenn ja: Wie?

Ob und wie du reagierst, sollte immer von der Störung und der „gestörten Befindlichkeit“ abhängen. Schau also genau hin.

 

 

Was kannst du ignorieren?

Alles was nur dich leicht stört, kannst du zur Kenntnis nehmen und solltest nicht darauf eingehen. Wie gesagt… Stört es nur mich oder alle?

Witzige Bemerkungen und Zuspätkommer kannst du wirklich ignorieren. Auch die Quatscher kannst du eventuell weiter quatschen lassen. Wenn es arg in dir grummelt, dann nimm dir die Störer in der Pause beiseite und sprich unter vier Augen mit ihnen. Konstruktives und wertschätzendes Feedback geben, geht übrigens so: Warum Feedback wie ein gutes Essen ist

 

 

Nonverbal auf Störungen reagieren

Ein Blick sagt mehr als tausend Worte. Nutze also die Macht des Blickkontaktes und gib den Störern nonverbales Feedback. Bei den Dauer-Quatschern legst du am besten eine kurze Sprechpause ein und blickst ununterbrochen lang in deren Richtung. Wenn das nicht reicht, gehst du langsam näher zu den Störern hin. Wenn es geht, bleibe hinter ihnen stehen.

 

 

Sprich es an und aus!

Um Störern in die Schranken zu weisen, brauchst du Mut. Checke auch vorher, ob es das jetzt wirklich braucht und ob du genug „Eier in der Hose“ hast. Nichts ist schlimmer als wenn du unsicher mit dünnem Stimmchen versuchst souverän und manchmal witzig zu regieren. Vielleicht schnappst du dir den Störenfried dann lieber in der Pause und führst ein vier Augen Gespräch.

Wenn es vor allen sein muss, sprich immer den Störer direkt an. Bitte keine Pauschalschelte an das gesamte Publikum! Sende ICH-Botschaften, sprich ruhig, mache dich körperlich groß, verbalisiere, was du beobachtest und sage was du erwartest. Bleibe sachlich! Atmen hilft hier ungemein.

Ja und manchmal muss das raus. Du bist der Boss! Deine Präsentation – Deine Regeln!

Wenn dir die Portion Schlagfertigkeit fehlt, um gut mit Störern umzugehen, dann mache das mit dem Marsmännchenblick und dem RKG-Prinzip. Wie das geht, habe ich HIER beschrieben.

 

 

Agieren – Vorbereitung und Vermeidung von Störungen

Störungen und Störenfriede gibt es zwar immer, aber du kannst die Gefahr bannen. Einerseits durch eine gute Vorbereitung, ein starkes inneres Standing und ein gutes Mindset. Das macht dich weniger angreifbar. Sei auch ausgeschlafen, denn dann bist du weniger anfällig und dünnhäutig bei Störungen.

Andererseits kannst du dir auch eine Art Notfallplan erstellen. Mache eine Tabelle mit zwei Spalten. In die eine Spalte schreibst du die Art der Störung oder den Typ. In die andere Spalte trägst du ein, was du dann machst. Eine Art „Wenn, dann… – Strategie“. Damit bist du bestens gerüstet und kannst gleich handeln, was wiederum Souveränität ausstrahlt.

Neben deiner eigenen fachlichen und mentalen Vorbereitung kannst du auch Regeln aufstellen (lassen). Manchmal sind ja auch alle z.B. vom Handybimmeln genervt. In einigen meiner Workshops kostet das 1 Euro, einen Kaffee für den Sitznachbarn oder die Menschen denken sich lustige Sachen aus, die der- oder diejenige dann machen muss. Neulich war das „DirtyDancing tanzen“ – allein. Das diszipliniert und sensibilisiert ungemein. Ich lasse das immer meine Zuhörer entscheiden. Bei Vorträgen fällt das natürlich weg. Für wiederkehrende Meetings ist das jedoch super geeignet.

 

Egal, ob und wie du nun regierst, denke immer an die dahinterliegenden Bedürfnisse deiner Zuhörer und auch, dass du der Chef vom Präsentierteller bist!

…und wie gehst du mit Störern um?

 

Ich wünsche dir jedoch störungsfreie Vorträge! Bleib souverän!

Bianca

 

 

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Bianca Grünert

Bianca Grünert

Hallo, ich bin Bianca Grünert und ich mache Menschen fürs Präsentieren und die Momente auf dem Präsentierteller fit, damit sie sicher und überzeugend auftreten.
Bianca Grünert