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Die Werbung kennt und nutzt es schon lange. Und wir kennen es auch aus Kindertagen. Storytelling. Warum nicht auch eine Story in einer Business-Präsentation erzählen? Was am meisten nach einem Vortrag hängen bleibt, sind Geschichten. Wer keine erzählt, über den wird eine erzählt – von einer langweiligen und Zahlen-Daten-Fakten-lastigen Präsentation ohne Gehalt. Dabei sind die Inhalte meistens top. Sie kommen nur nicht an. Doch genau diese Inhalte in eine Geschichte gepackt, werden Eindruck hinterlassen. Wie und warum Storytelling funktioniert, auch wenn du keine Märchentante oder -onkel bist, das erfährst du in diesem Beitrag. Du bekommst auch Tipps um gute Storys zu finden und zu präsentieren.

 

Storytelling ...und deine Information kommt auch beim Zuhörer an

 

Storytelling: Nur so kommt deine Information auch beim Zuhörer an

 

Zu Beginn eine kurze Geschichte…

Es ist viel früher als sonst, doch für heute macht Thomas Feierabend. Während sein Rechner runterfährt, schaut er nochmal in seine Tasche. Er hat sie eingepackt. Er weiß, damit erfüllt er Sandra ihren größten Traum. Endlich.
Seit 10 Jahren sind sie ein Paar. Seitdem schmieden sie schon Pläne. Seitdem konnte sich Thomas nicht durchringen. Doch jetzt ist es soweit. Er sieht schon ihre großen Augen vor sich. Auch Sandra wird sagen: Endlich! Da ist sich Thomas ganz sicher.
Schnell schnappt er noch die Blumen, die ihm seine Sekretärin besorgt hat und huscht unbemerkt durch die Tür seiner Firma. Er kann es kaum erwarten, nach Hause zu kommen. Er fährt viel zu schnell, doch er will nur noch heim und seine Sandra überraschen.
Zuhause angekommen, stürmt er durch die Tür. Normalerweise ist Sandra um die Zeit in der Küche und bereitet das Abendessen vor. Doch… Kein Licht, keine Geräusche, kein Duft nach Essen. Sandra ist nicht da. Wie kann das sein???
Auf dem Küchentisch findet Thomas diese Zeilen: 10 Jahre warten. Das war zu lang für mich. Jetzt gehe ich. Sandra

 

…und willst du wissen, was passiert ist und wie die Geschichte weitergeht?

Ok, das erzähle ich dir später.

 

Ich hätte auch Folgendes schreiben können:

Thomas ist Inhaber eine Beratungsfirma. Er arbeitet immer bis spät abends. Heute macht er früher Feierabend, weil er für seine Freundin Sandra eine Überraschung hat. Sie sind seit 10 Jahren ein Paar. Seine Sekretärin hat ihm Blumen besorgt. Thomas fährt schnell nach Hause. Zu seiner Überraschung ist Sandra nicht da. Er findet auf dem Küchentisch einen Abschiedsbrief.

 

…und fändest du es auch spannend?

Sicher nicht, denn hier sind einfach nur Fakten aneinandergereiht.

Das kennst du so ähnlich wahrscheinlich auch aus vielen Business-Präsentationen. Wie langweilig! Und ich nehme an, du hättest dir das auch gar nicht alles gemerkt.

 

 

Warum wir Geschichten lieben

Wir alle lieben Geschichten von Königen und Königinnen, von Aschenputtel oder von Pippi Langstrumpf. In meiner Generation kennen alle die Abenteuer von Justus, Peter und Bob – die Kids aus den drei ??? Leider bekommen wir ab dem Schulalltag immer weniger Geschichten erzählt. Stattdessen haut man uns nackte Fakten um die Ohren. Wie schwer Manches zu lernen ist… Darauf brauche ich wohl nicht näher eingehen.

Seit tausenden Jahren erzählen sich Menschen Geschichten und nutzen sie (nicht offensichtlich) als Best Praktice des Überlebens und zur Weitergabe von Informationen. Geschichten sind wesentlich älter als unsere Schrift und ganz nebenbei: um einiges älter als Power Point.

Ein besonderer Teil in unserem Gehirn springt immer noch sehr erfreut auf Stories an: Unsere Amygdala. Sie ist so etwas wie der Türsteher in unserem Kopf, der die vielen Informationen (raus)filtert. Nicht alles, was wir letztlich bewusst zu sehen und zu hören bekommen, lässt dieser Türsteher in unser Bewusstsein. Wir sind ja nur ein Mensch mit einer begrenzten Aufmerksamkeit 😉. Aber Geschichten haben beim Türsteher so etwas wie einen Sonderbonus. Da ist das Emotionale, wie Drama, Schmerz und Happy End, auf die dieser Türsteher gern anspringt – ganz besonders beim Einstieg in eine Präsentation. Stehen dagegen Fakten vor der Tür zu unserem Bewusstsein – kalt, unpersönlich und kompliziert – dann bleiben diese draußen.

Damit ich jetzt nicht luftleer schreibe, bekommst du ein Beispiel. Welchen Satz findest du einprägsamer?

  1. Wir entwickeln Analgetika, die palliativ wirken und den Therapiestandard verbessern.
  2. Mit unseren Medikamenten haben ihre kranken Angehörigen weniger Schmerzen und können selbständig für sich sorgen.

Wenn du in einer Präsentation deine Fakten oder Argumente nüchtern und langweilig präsentierst (wie beim ersten Satz im Beispiel), verlierst du in der Wirkung bei deinen Zuhörern gegen jemanden, der den gleichen Sachverhalt, gespickt mit einer Story vorstellt. Im zweiten Satz wird zwar keine ganze Geschichte erzählt, doch schon beim Zuhören entstehen Bilder bzw. das Kopfkino geht los. Die Story entsteht dann im Kopf deiner Zuhörer. Hier könnte man z.B. eine gute Story vorher erzählen.

Sogar eine falsche spannende Geschichte funktioniert besser, als richtige Fakten langweilig präsentiert. Denk mal an Fake News. Sie haben oft einen emotionalen Gehalt oder lassen Bilder in den Köpfen der Leser entstehen.

 

Wer keine Story erzählt, über den wird eine erzählt - von einer langweiligen und Zahlen-Daten-Fakten-lastigen Präsentation ohne Gehalt. Klick um zu Tweeten

 

True Stories statt Märchen

Aber Achtung bei aller Storytellerei: Erzähle Geschichten und keine Märchen! Hast du die Dinge selbst erlebt oder kennst du deinen Helden? Gut. Mach die Geschichte zu deiner, indem du dich mit deiner Hauptfigur identifizierst und mitfühlst. Das zahlt auf deine Glaubwürdigkeit als Redner ein, weil diese Haltung auch mit deiner Körpersprache und Stimme zum Ausdruck kommt.

 

 

Ich kann meinem Team, meinem Chef oder Kunden doch keine Geschichten erzählen!

Doch. Wenn die Botschaft dieselbe ist, dafür aber einprägsamer und spannender verpackt ist, warum nicht? Vor allem, wenn du in einem Zahlen-Daten-Fakten-lastigen Thema unterwegs bist, peppt zwischendurch eine Story deine ganze Präsentation auf. Außerdem bleiben die Inhalte von Stories besser im Gedächtnis als langweiliger Faktenkram. Denke an den Türsteher im Kopf.

 

 

Wie eine gute Story aufgebaut ist

Storytelling - Wie eine gute Story aufgebaut ist

 

 

Die Elemente einer spannenden Geschichte

Damit eine Story in deiner Präsentation funktioniert, braucht sie vor allem folgende Elemente:

  • eine klar etablierte und emotional aufgeladene Ausgangssituation (der Rahmen)
  • eine (sympathische) Hauptfigur/ einen Helden oder eine Heldin mit denen sich dein Publikum identifizieren kann (Menschen identifizieren sich lieber mit sympathischen Figuren)
  • einen Spannungsbogen durch Hindernisse, das Böse, Schurken, Probleme, … die die Hauptfigur plötzlich treffen und die sie überwinden muss (der Höhepunkt sollte maximal emotional und überraschend sein, gern auch mehrere Auf & Abs und Cliffhangern)
  • eine erkennbare Entwicklung oder Veränderung (nichts ist mehr wie vorher)
  • ein auf das eigene (Arbeits)Leben anwendbares Fazit (die Moral von der Geschichte)

 

 

Und so geht die Geschichte von Thomas weiter…


Thomas wird schwindlig. Der Zettel in seiner Hand zittert. Das kann nicht sein. In einer Woche sollte es losgehen. Er hat doch die Tickets in der Tasche. Ihre Weltreise. Ein Jahr sich treiben lassen. 365 Tage rund um die Welt. Keinen Plan, aber zusammen sein. Keine Firma. Keine Arbeit. …und am Ende die Hochzeit. Ihr Traum.
Das kann nicht sein.
Mit zitternden Händen ruft er Sandra an. Freizeichen. Es klingelt. Wie ein Echo hört er ein zweites Klingeln. Das ist ihr Klingelton, ihr Handy. Er läuft durch das Haus und findet ihr Handy im Bad. Sie hat es nicht mitgenommen. Was jetzt? Er ruft ihre Freunde und Eltern an. Nichts. Keiner weiß, wo sie ist.
Als er aufwacht, hört er Sirenen und eine Stimme, die ihm sagt, dass er einen Herzinfarkt hatte und auf dem Weg ins Krankenhaus ist. Thomas fühlt sich, als ob ihm sein Herz rausgerissen wurde.
Nach Krankenhaus, Reha und vielen Monaten ohne Firma und Job allein in ihrem Haus, kommt ihm plötzlich eine Idee. Vielleicht ist Sandra auf Weltreise gegangen. Nur allein. Schnell schnappt er sich einen Kalender. In 15 Tagen sind es genau 365 Tage seit … damals. Thomas Herz schlägt wie wild. In 15 Tagen wird er am Flughafen sein. Bis dahin konnte er kaum noch schlafen.
Wie ferngesteuert fuhr zum Flughafen. Dort buchte er zwei Tickets – der erste freie Flug des kommenden Tages. So, wie sie sich damals ausgemalt haben. Und dann wartete er stundenlang in der Ankunftshalle – ohne Essen und Trinken. Plötzlich sah er sie. Seine Sandra. Er war wie gelähmt. Als Sandra ihn sah, kam sie lächelnd auf ihn zu und sagte: „Das habe ich mir so sehr gewünscht.“
Am nächsten Tag saßen sie zusammen im Flieger. Irgendwohin – für ein Jahr zusammen.
Und Thomas dachte sich nur: Träume bleiben Träume, wenn man sich nicht bewegt.
Und wie oft hast du schon deine Träume vor dir hergeschoben? Und wie oft war es schon zu spät für Dies und Das?

 

Hach, und wenn sie nicht gestorben sind… OK, ein bisschen blumig ist die Geschichte schon geworden. Ich bin halt auch nur ein Mädchen 😉

Doch worum es mir ging: Erkennst du an dieser Story den Aufbau und die Elemente einer Story, z. B. Held, Schmerz, Spannung, Entwicklung, Moral?

 

Auf eines möchte ich dich noch hinweisen: Der Spannungsbogen.

Ich hätte auch gleich nach Thomas Zusammenbruch zum Happy End kommen können. Doch wäre das spannend? Nein. Es muss erstmal noch schlimmer werden, bevor es besser werden kann. Menschen sind glücklicher, wenn schlimme Dinge überwunden werden. So funktionieren Geschichten.

 

 

Dir fallen keine guten Stories ein?

Ja, auf Knopfdruck ist das nicht so einfach. Storytelling ist zwar kein Hexenwerk, aber sollte vorbereitet sein. Schreibe dir deswegen Begebenheiten aus dem Alltag und gute Geschichten, die du aufschnappst, gleich auf. Stories hörst du überall, z.B. im Bus, beim Bäcker oder vor dem Kopierer in der Firma. Auch deine eigenen Erlebnisse solltest du nicht vergessen. Und es muss wirklich nichts Originelles sein. Es kommt auf die Botschaft/ die Message oder auf „Was haben wir daraus gelernt an?“. Sammle alle (auch noch so banalen) Stories in einer Datei oder einem Notizbuch.

 

 

Hilfe, ich kann doch nicht so blumig sprechen!

Wenn du ein nüchterner Typ bist, wird dir das schwerer fallen. Mir fällt das leicht, weil ich eher blumig unterwegs bin und ja auch gern Improtheater spiele, wo man dauernd Geschichten erfindet. Doch ein Tipp für dich: Spick deine Beschreibungen mit Adjektiven. Gerade mit Adjektiven schaffst du Emotionalität und hauchst Fakten Leben ein. Es ist etwas anderes, wenn du sagst „in Berlin“ statt „im kalten Berlin“. Gehst du näher auf Eigenschaften deiner Hauptfigur, des Ortes oder der Situation ein, entstehen die Bilder im Kopf deiner Zuhörer. Du ziehst sie mehr in deine Geschichte.

Doch auch das muss zu dir und deinen Zuhörern passen. Hast du einen nüchternen Zuhörer und bist selbst eher Nüchternen, dann ist weniger mehr. Finde hier deinen eigenen Stil. Vielleicht achtest du einmal in Büchern, wie etwas ge- und beschrieben ist und schaust dir so ein paar Tricks ab.

Einen Trick verrate ich dir hier. Statt zu sagen, „Thomas vermisste seine geliebte Sandra so sehr.“ könntest du auch mit Thomas Stimme sprechen. „Thomas sagte: ‚Ich vermisse meine Liebe so sehr.‘“. Damit sprichst nicht du blumig, sondern Thomas bzw. die Figuren in deiner Story. Etwas anderes Gutes hat ein Monolog – oder du könntest auch einen Dialog einbauen – auch: Die Figuren bekommen für deine Zuhörer eine Stimme und werden so persönlicher. Beim Vortragen kannst du dabei auch die Stimmlage wechseln, so dass sie deiner Rede gleich noch viel mehr Facetten geben.

 

Menschen sind glücklicher, wenn schlimme Dinge überwunden werden. So funktionieren Geschichten. #storytelling Klick um zu Tweeten

 

Noch drei Dinge, auf die es beim Storytelling in Präsentationen und Vorträgen auch ankommt

Zum Schluss möchte ich dir noch folgende Punkte für dein Storytelling geben, auf die du in der Vorbereitung achten solltest:

  • Keine Nebenschauplätze öffnen.
  • Relevanz schaffen.
  • Nimm Storys aus einem anderen Kontext.

 

Heißt genauer:

Oft höre ich Geschichten, in den zu Beginn von etwas gesprochen wird, dass im Laufe der Erzählung nie wieder auftaucht bzw. aufgelöst wird. Manchmal macht ein „zu viel“ in der Geschichte Nebenschauplätze auf. Werden diese nicht aufgelöst, hinterlassen sie beim Hörer Fragezeichen. Wenn ich in meiner Story noch ausführlicher auf Thomas Sekretärin eingegangen wäre, z.B. „Sie warf ihm einen neidischen und schmachtenden Blick hinterher, als Thomas die Firma verließ.“, hättest du vielleicht die ganze Zeit im Hinterkopf gehabt: ‚Hatten die ein Verhältnis?‘. Verschiedene Bilder verknüpfen Menschen durch ihre eigenen Geschichten. Diesen lenken jedoch nur von deiner Story ab.

Deswegen: Schmeiße alles aus deiner Story, was für deine Botschaft nicht relevant ist und Nebenschauplätze aufmachen könnte. Übrigens: Auch das was wir nicht erzählen, ist manchmal spannend.

Bevor du eine Story erarbeitest, frage dich ‚Wie relevant ist die Botschaft für mein Publikum?‘ Das ist das A & O und der erste Schritt, bevor du weiter an deiner Story baust. Deine Zuhörer werden nur begeistert sein und etwas aus deiner Präsentation mitnehmen, wenn sie darin erkennen, dass du ihr Problem kennst und eine passende Idee lieferst.

Und hier bin ich gleich beim dritten Punkt: Wenn du vor einem IT-Publikum sprichst, dann nimm keine Storys aus der IT-Welt. Wenn du vor Psychologen sprichst, dann nimm keine Geschichten aus deren Arbeitsfeld. Nimm Storys aus einem anderen Kontext, der möglichst weit weg von der Welt deiner Zuhörer sind. Denn IT-ler finden 1000 Gründe, warum die Story bei ihnen nicht funktioniert. Und Psychologen finden ebenfalls 1000 Gründe, warum die Geschichte bei ihnen anders ist. Nimmst du aber z.B. Oma Erna, die sich mit 70 Jahren wieder verliebt und sogar in eine andere Stadt zieht usw. und stellst über die Botschaft den Bezug zu deinem Publikum her, dann wird dir die Geschichte nicht zerpflückt.

 

 

Für mich ist Storytelling inzwischen ein Must have in meinen Vorträgen. Ich liebe es, wenn meine Zuhörer den Atem anhalten und es richtig knistert vor Spannung. Genauso weiß ich aber auch, das es richtig Arbeit macht, gute Storys zu bauen. Doch es lohnt sich! Irgendwie hören wir doch lieber Geschichten, als nackte Fakten.

 

Ich wünsche dir viel Spaß beim Storytelling und ein atemlos neugieriges Publikum!

…und wenn du vorher lieber deine Story auf Herz & Nieren prüfen lassen willst, dann melde dich bei mir: 0221 – 967 165 60 oder per Mail [ KONTAKT ] !

Alles Liebe

Bianca

 

 

Foto ganz oben von Porapak Apichodilok von Pexels

 

Bianca Grünert

Bianca Grünert

Hallo, ich bin Bianca Grünert und ich mache Menschen fürs Präsentieren und die Momente auf dem Präsentierteller fit, damit sie sicher und überzeugend auftreten.
Bianca Grünert